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Der Campbell Soup Contest

Die Ausschreibung.

Am Dienstag, 30. Mai 2000, wird ab 18.00 Uhr im Hinterzimmer des Café im Kornhauskeller, alias Café Wichtig, Hafengasse 19, Ulm, der öffentliche Campbell Soup Contest ausgetragen, ein Wettbewerb des Junk Food Kochens. Teilnehmen kann jede Frau und jeder Mann mit der Präsentation eines oder mehrerer Gerichte, die nachweislich nicht aus frischen Zutaten zubereitet sind, kein Gemüse von Markt und Garten, Fleisch nicht vom Schlachter um die Ecke, sondern z.B. aus den aussortierten Beständen der Bundeswehr; Butterkartoffeln oder Französisches Weißbrot müssen leider draußen bleiben; rein dürfen Semmelbröselklöße, die mit Köllnflocken gebunden wurden oder folienverschweißtes dehydriertes Fertigpürée; die Eier des Wettbewerbers kommen nicht aus der naturverbundenen Legebatterie, sondern in Pulverform aus dem Reformhaus, dessen Sortimentprinzipien sich übrigens zum Teil mit unserer Philosophie decken; etwa in Angeboten wie "Boeff à la Stroganoff aus Tofu".

Andy Warhol hat mit seinem Bild Campbell Soup dem Junk Food ein Denkmal gesetzt. Er ist der Heilige, unter dessen Schutz wir unseren Campbell Soup Contest veranstalten.

Die Philosophie.

Junk Food Gerichte sind das Letzte, aber schon das Allerletzte!
Garantiert jenseits jeglicher Cooking Correctnes.
Extreme Alternative zu Haute Cuisine und Slow Food: Nahrung aus Tüten und Dosen, veredelt mit Essenzen aus den Phiolen von Dr. Oetker und tewell.

Die Zutaten zu dem, was hier unter Junk Food verstanden zu werden hat, sind keine Hervorbringungen der Natur, sondern Produkte unserer chemischen Industrie, synergistische Effekte aus dem Zusammenwirken von Soap- und Sodafabriken, Geschenke von Knorr und Maggie mit freundlicher Unterstützung von Hoechst und BASF.

Junk Food liefert intensive Geschmackserlebnisse:

Die konkrete Utopie des Junk Food ist: "0 % Substanz bei 100 % Geschmack."

Junk Food ist demokratisch:

Junk Food auf den Tisch bringen kann jeder. Unterschicht und Mittelschicht vereinen sich im Griff nach der Suppentüte.

Junk Food ist ordinär. Vulgär. Gewöhnlich:

Junk Food verhält sich zur Kochkunst wie der Gärtner zu Lady Chatterley. Weshalb auch der "Drei Sterne Koch" nicht davor gefeit ist, sich nachts um 1 Uhr an einer Dose Deutschländer zu vergreifen, wenn er einmal mehr seine blasierten Gäste zum Kotzen gefunden hat.

Junk Food ist universal:

Mc Donald gibt es selbst an den äußersten Rändern der Erdscheibe; in Napoli ebenso wie in NanQing, in Nanterre und in Nassau.

Junk Food ist praktisch:

Junge Leute, denen das Geld für den Pizza- oder China Express fehlt, ernähren sich deshalb weitgehend aus Gläsern, Schachteln, Weißblechgefäßen, Tüten. Deshalb dürften und sollen Schüler und Schülerinnen, Studenten und Studentinnen die bedeutsamste Bewerbergruppe im Campbell Soup Contest bilden.

Junk Food ist billig:

Die sättigende Nudelsuppe in Cellophan mit dem hochprozentigen Geschmack von Crab oder Ente kostet im Chinaladen etwa einen ¾ Euro. 1 Tee aus dem Beutel für 5 bis 7Cents. Selbst die Cafés bieten nichts Besseres, allerdings 30 Mal so teuer.

 

Die Regeln.

Die Gerichte dürfen nicht aus frischen Zutaten gefertigt sein, sondern müssen verpackte, verschweißte oder eingeweckte Fertigprodukte als Ausgangsmaterialien zur Zubereitung verwenden.

Nicht zulässig als Ausgangsmaterialien sind Luxusprodukte wie Russischer Kaviar oder Straßburger Gänseleberpastete im Gegensatz zum Deutschem Kaviar aus Heringsrogen oder zur Leberwurst in Dosen.

"Nährende Beilagen" aus frischem Mehl, Reis oder frischen Kartoffeln sind unzulässig; im Gegensatz zu Kartoffelpüree aus der Tüte oder Ravioli aus der Büchse sowie eigene Erfindungen aus Semmelbröseln, natürlich auch aus der Tüte.

Ausgeschlossen werden fundamentalistische Lösungen wie 3 Büchsen grüne Bohnen ohne weitere Zubereitung auf Meißner Porzellan.

Erlaubt und sogar erwünscht sind synthetische Aromen, Natron, Glutamat, Gelatine und Ähnliches.

Getrocknete Kräuter sind frischen Kräutern unbedingt vorzuziehen, ebenso eingelegte Zwiebeln den frischen Zwiebeln.

Leichte Verstöße gegen die Regeln beim Würzen oder die Verwendung von Mehl und Ei zur Bindung und dergleichen mehr führen zwar nicht zum Ausschluss, sind aber gegenüber Gerichten, die auf solche Lässlichkeiten verzichten, im Wettbewerbsnachteil.

Bedeutsame Kriterien sind Preiswertheit der Zutaten, Kreativität bei der Produktveredelung, Einfachheit und Unaufwendigkeit der Zubereitung sowie Schmackhaftigkeit der Speisen.

Anmeldungen von Bewerbern zum Contest nimmt das Contestkomitee bis 16.5 2000 entgegen:

Ellen Rutschke, Brucknerweg 11, 89075 Ulm/ ellen.rutschke@arcormail.de

Christoph Nasfeter, Thränstrasse 15, 89077 Ulm/ chn@neverend.de

Helmuth Zenz, Münchener Strasse 20, 89073 Ulm/ Helmuth.Zenz@medizin.uni-ulm.de

Bewerber benennen bei ihrer Anmeldung 1 oder mehrere Gerichte, die sie zubereitet zum Contest mitbringen werden.

Die Rezepte für die Gerichte müssen bei der Anmeldung vorgelegt werden, damit das Contestkomitee die Regelhaftigkeit der Zubereitung überprüfen kann.

Die Gerichte können, sofern sie warm verzehrt werden sollen, in Mikrowellen aufgewärmt werden, die vom Contestkomitee zum Wettbewerb bereitgestellt sein werden.

Die Jury besteht aus 3 namhaften professionellen KöchInnen der Ulmer Gastronomie und 2 Ulmer Szenemenschen mit ideellen Verknüpfungen zum Bereich Nahrung und Genuss.

Das Contestkomitee hat in die Jury berufen
Als Professionelle:
Herrn Franco De Punzio - "Pizzeria bei Franco", Ulm

Frau Erika Fabis - "Bei Erika", Ulm und

Herrn Mario Lanza - Schloß-Restaurant, Erbach

Als Laien aus der Szene:
Herrn Reinhart Müller, Pfarrer der Paulus-Kirche (Vesperkirche)

Herrn Gérard Ellineau, Leiter des Bastei-Theaters und als Franzose genetisch als Gourmet festgelegt.

 

 

Preise

1. Preis: 1 Essen für zwei Personen bei einem unserer Top-Köche Ihrer Wahl

2. Preis: 5 Gutscheine à 15,-- DM bei einem Asia-Express

3. Preis: Warengutschein im Wert von 50,-- DM der Firma Aldi